„Servus! I hoff ihr habts a guete Reise ghabt!“ Während ich so in die Runde schaue und meine 8 Begleiter beobachte, huscht mir ein Lächeln über mein Gesicht. Der Besitzer des Kandlerhofs begrüsst uns recht herzlich und schon bald wird das Abendessen serviert, bei den meisten ist es Schnitzel. Wir sind mit einer guten Stunde Verspätung angekommen, teils wegen des Verkehrs, Halt auf Verlangen oder wegen Getränkeaustausches mit Dachdeckern auf der Autobahn. Doch eines wird schon am ersten Abend klar: Die Steirer sind ein sehr freundliches Völkchen. Da sich einige (oder alle?) nicht mehr besonders fit fühlen, zieht es uns gleich ins Bett. Schliesslich ist morgen Samstag und wir haben ein grosses Programm vor uns. Gute Nacht!

Nach einer schlaflosen Nacht die sehr laut war, bewegt mich schliesslich ein Wecker dazu, mein Bett zu verlassen und auch der Holzfäller neben mir hört endlich auf Baumstämme zu zersägen. Mit mehr oder weniger Kopfschmerzen bewegen sich alle der Truppe in Richtung Frühstück, das nebenbei bemerkt ziemlich gut war. Schliesslich machen wir uns auf den Weg zu Mayr Melnhof, dem ersten grossen Programmpunkt unseres Wochenendes. Auch hier kommen wir wieder zu spät an, allerdings nicht sehr gravierend.

Dieses Werk von Mayr Melnhof ist eine Holzsägerei, die pro Jahr 50‘000 Kubikmeter Holz verarbeitet, das entspricht 4 holzigen Einfamilienhäusern pro Tag und die Sägerei ist dementsprechend gross, der Rundgang dementsprechend lang. Wir besuchen mehrere Werke und während der wirklich interessanten Führung kommt mir die Idee, dass sich mein Bettnachbar in dieser Firma vermutlich noch ziemlich gut machen würde. Schliesslich ist die Führung zu Ende und wir gehen mit Stefan Kutschera, unserem Führer, Schnitzel essen. Dummerweise landen wir im falschen Restaurant, wo nicht für uns reserviert wurde. Ihre Schnitzel essen wir nichts desto trotz und diese schmecken durchaus gut. Nach dem Essen folgen wir dem Auto eines alten Herrn, der uns zu einer alten Mine bringt.

In dieser Mine wurde einst Magnesit gefördert, ein wunderschöner Stein, der lange für Marmor gehalten wurde. Unser Führer ist neben der Führung selbst eine Attraktion für sich und deshalb spendieren wir ihm nach dem Rundgang ein Bier. Da es regnet wird aus der nachmittäglichen Wanderung nichts und da es ja irgendwie weitergehen muss, bleiben wir also vor dem Mineneingang sitzen und trinken weiter. Schliesslich endet dieses gemütliche Beisammensein in einer dummen Idee von drei Herren, von denen ich einer bin. Gemeinsam erklettern wir den Hang neben dem Unterstand, denn von dort oben schlängelt sich die längste (und wohl auch steilste) Rutschbahn Österreichs hinab. Diese bei Regen zu benutzen ist nicht gerade intelligent und es kommt wie es kommen musste: Die ersten zwei werden in voller Fahrt aus der Rutschbahn geworfen, als dritter und letzter komme ich in einer Fahrt nach unten, kann aber meinen Fuss nicht mehr belasten und auch ein anderer hat sich Schnittwunden zugezogen. Das Leben geht weiter und unser Abenteuer auch.

Am Abend steht der Musikantenstammtisch im Kandlerhof an. Begleitet von Akkordeongedüdel und Menschengejodel verspeisen wir ein weiteres gutes Abendessen. Der Abend könnte nicht besser sein! Die Österreicher und Schweizer frönen gemeinsam der Musik und lachen sich fast tot ab den Witzen vom Herrn in Lederhosen vom nächsten Tisch. Nach einer mehr oder minder gelungenen Tanzrunde ziehen auch die letzten ihr Pyjama an und versuchen Schlaf zu finden. Gute Nacht!

Die Nacht war besser als die andere davor, der Kaffee beim Frühstück allerdings schlechter. Früh verabschieden wir uns vom Kandlerhof und steigen in unseren Minibus, um nach Salzburg zu fahren. Theoretisch sollten wir nicht wissen was uns erwartet aber es ist allen klar, dass wir die Stiegl-Brauerei besuchen werden. Dort angekommen gibt es als erstes etwas zu futtern (Schnitzel bei den meisten), begleitet von drei Runden verschiedenen Bieres der Marke Stiegl.

Es folgt ein Rundgang durch das sehr modern und schön gestaltete Bierbraumuseum, wo auch Bierkenner viel Neues lernen dürfen. So hat das alkoholhaltigste Bier der Welt einen Wert von 67%. Wir bleiben lieber beim normalen Bier und gehen nach dem Rundgang wieder zum Ausschank. Die Zeit reicht nicht, um alle Bierkreationen von Stiegl zu probieren aber alle die ich probiert habe, haben wunderbar geschmeckt. Schliesslich müssen wir uns auf den Heimweg machen, der uns zwar über München aber leider nicht über die Wiesn führt.

Zur Heimfahrt bleibt nicht viel zu sagen ausser: Draussen kühl, nass, grau und Stau, im Bus farbig mit guter Laune. Es werden alle zu Hause abgeladen und nun bleibt mir nur noch eines zu sagen: Danke Michi für diese wunderbare Turnfahrt ins schöne Österreich!

Daniel Haltmeier